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Wachow

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Wachow

 

Wachow mit den zur Gemeinde gehörenden Dörfern Gohlitz und Niebede liegt südwestlich von Nauen, ca. 15 Kilometer entfernt. Trotz Widerstands wurde Wachow im Jahre 2003 im Zuge der Gemeindegebietsreform in die Stadt Nauen eingegliedert und somit Ortsteil Nauens.

 

Gohlitz gehörte zu den ältesten Siedlungsplätzen des Havellandes. Es wurde zuerst als Goliz in einer Urkunde des Bischofs Siegfried vom Jahre 1173 erwähnt. Auch Niebede (damals Nibeden oder Nybede) ist sehr alt und existierte schon zurzeit Albrecht des Bären, denn 1179 wurden bereits die Zehnten (Abgaben) im Dorfe dem Domstift zu Brandenburg überschrieben. Wachow (damals Wachowe) wurde erstmalig in einer Urkunde von 1179 des Domarchivs Brandenburg  genannt. Im Jahre 1204 geht Wachow an das Zisterziener-Kloster Lehnin über. Gohlitz wurde erst 40 Jahre später dem Kloster zugehörig.

 

Die Abwesenheit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Jahre 1675 nutzten die Schweden, um in die Mark Brandenburg einzufallen. Ohne nennenswerte Gegenwehr besetzten sie die Städte Havelberg, Rathenow und Brandenburg. Als der Kurfürst vom Überfall erfuhr, brach er sofort mit seinen Truppen auf, um die Schweden zu vertreiben. Am 14. Juni erreichte er Rathenow. Die schwedischen Söldner flüchteten auf der Heerstrasse bis Barnewitz. Der Kurfürst verfolgte sie in Richtung Gohlitz. Die Feinde zogen sich hinter den Behnitzer See und den Riewendsee zurück. Beide Seen verband der Klinkgraben, dessen Wasser durch ein völlig versumpftes Gelände floss. Dieses Areal konnte man nur über die Heerstrasse, die vom Behnitzer Wald nach Gohlitz führte, passieren. Am Übergang befand sich eine Brücke und eine Wassermühle, welche die Schweden besetzten und nach ihrem Abzug zerstörten. Auch im slawischen Burgwall nahe des Riewendsees hatten sich die Schweden mit einigen Kanonen verschanzt. Bei ihrem Abzug stürzten sie diese einfach ins Wasser und zogen sich in den Wald bei Gohlitz zurück. Hier kam es dann Ende Juni zu einem Rückzugsgefecht der Schweden und der Truppen des Kurfürsten. Die Schweden wurden überrannt und flüchteten in Richtung Nauen. Die Pest und andere Seuchen breiteten sich in den Jahren danach gewaltig aus und rotteten die Bevölkerung von Wachow im Jahre 1632 ganz aus. Die Höfe in Wachow wurden von den Bauern aus der Umgebung wieder besetzt, die Äcker genutzt. Allmählich normalisierte sich das Leben im Dorf.

 

Die beiden Weltkriege lasteten schwer auf den drei Haveldörfern. Die Verpflegung des Heeres und des Landes machten es notwendig, dass die Gemeinden Vieh zur Schlachtung liefern mussten. Außerdem mussten die besten Pferde abgegeben werden. Der Mangel an Feldarbeitern wurde mit Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen ausgeglichen. Im II. Weltkrieg waren italienische und ungarische Landarbeiter hier als Schnitter tätig. Da die Ernährung für die Städter sehr schlecht aussah, kamen sie jeden Sonntag zu Hamsterfahrten in die Dörfer. Die Menschen trafen mit dem Frühzug in Wustermark ein und liefen bis nach Gohlitz und Wachow zu Fuß, um Kartoffeln und Gemüse zu ergattern. Man schleppte die erstandenen Lebensmittel bis zum Bahnhof nach Groß Behnitz, um die Heimreise anzutreten.

 

Ein Schmuckstück im heutigen Wachow ist der Kindergarten. Dieses Domizil war einmal das Schulgebäude, in dem die Kinder der drei Orte lernten. Leider wurde der Schulbetrieb mit dem Ende des Schuljahres 1997 eingestellt.

 

Die Gemeinde Wachow hat sich erstmal 1996 ein Wappen zugelegt. Bei der Gestaltung dieses Hoheitszeichens bezogen die Einwohner die Geschichte ihrer drei Dörfer. Drei goldene Laubkronen symbolisieren Wachow, Gohlitz und Niebede, sie deuten aber auch die Belagerung während des Dreißigjährigen Krieges durch die Schweden. Die Blume versinnbildlicht die Heide um den Ortsteil Gohlitz, das Kreuz steht für die Wachower Kirche, und das Pferdemotiv dient als Symbol für Niebede. Der blaue Hintergrund bezieht sich auf den nahen Riewendsee.

 

Zu dem Gemeindeteil gehört Gohlitz, Niebede