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Beelitz

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Sehen sich die Besucher im Zentrum des Städtchens um, fällt die innere Altstadt mit ihrem mittelalterlichen Grundriss auf. Sie ist ein Flächendenkmal, und Beelitz ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft “Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Einige Gebäude sind zusätzlich als Einzeldenkmale ausgewiesen: Die alte Posthalterei, ein zweigeschossiger Putzbau von fünf Achsen, wurde 1789 vom damaligen Bürgermeister und Postmeister Gottlieb Ferdinand Kaehne im Stil des spätbarocken Klassizismus errichtet. Er war die Post- oder Post-Relais-Station an der bedeutenden Handels- und Verkehrsstraße zwischen Sachsen, dem Havelland und Berlin. Hier wurden die Pferde ausgewechselt (Ausspannung für 40 Pferde), Postsendungen aufgenommen und abgegeben. Der Posthalter, der die Braugerechtigkeit besaß, betrieb eine Gastwirtschaft mit Pension. Über dem Eingangstor erinnern noch heute der schwarze preußische Adler und ein Posthorn an diese Zeit. Links der Durchfahrt befand sich das “Expeditionszimmer“, rechts die “Passagierstube“, in der sich der Überlieferung nach auch Johann Wolfgang von Goethe bei einer Durchreise aufgehalten hat. So ist der Saal des heutigen Standesamtes im Obergeschoss nach dem großen Dichter benannt. Die Wände des ersten Stockwerks sind mit klassizistischen Malereien geschmückt, der Saal selbst mit auf Putz gemalten Ideallandschaften und einer Ceres- oder Pomonafigur (römische Göttin des Ackerbaus bzw. Göttin der Baumfrüchte) über dem Kamin. Postmeister Johann Friedrich Simon führte die Posthalterei bis zu ihrem Ende im Jahre 1838. Die Eisenbahn hatte die Pferdepost auch in Beelitz verdrängt. Bis 1874 übten Nachfahren J.F. Simons im angestammten Haus das Amt des Postverwalters aus. In den folgenden Jahren diente das Gebäude als Wohnhaus, nach dem zweiten Weltkrieg war hier zeitweise das Heimatmuseum untergebracht. Die Beelitzer Kirche (heute Stadtpfarrkirche Sankt Marien/Sankt Nikolai), 1247 erstmals urkundlich erwähnt, zunächst eine romanische Pfeilerbasilika aus behauenen Findlingen, existierte mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts, vielleicht in anderer Form schon früher. Vieles ist über das sogenannte “Wunderblut” gesagt und geschrieben worden, das Beelitz weit über die engere Region hinaus berühmt gemacht hat. Die zeitgenössischen Quellen überliefern keine Einzelheiten. Die Ablaßurkunde des Bischofs von Brandenburg aus dem Jahre 1247 enthält aber den wichtigen Hinweis, dass Gott “nuper“ (“neulich“) sich auf wunderbare Weise zu erkennen gegeben hätte. 1370 ist dann etwas deutlicher von der Verehrung des Heiligen Blutes die Rede. Die erst seit dem 16. Jahrhundert fassbaren Berichte werden deshalb bei aller Ausschmückung einen realen Kern besitzen, der darin bestanden haben dürfte, den bereits in Beelitz ansässigen Juden einen Gottesfrevel zu unterstellen, um sich danach an ihnen zu bereichern. Um 1400 wurde das Gotteshaus in eine dreischiffige Basilika umgebaut. Die Längsachse der Kirche erstreckt sich von West nach Ost. Sie ist “geostet“, d.h. der Altar liegt im Osten. Die Kirche hat einen dreischiffigen Chor. In der Verlängerung des südlichen Seitenschiffes liegt die Sakristei. An der Nordseite befindet sich ein kapellenartiger Anbau, der aus der um 1370 erbauten alten Wunderblutkapelle, einem freistehenden Achteckbau ohne geosteten Altar, hervorgegangen ist. Im Jahre 1703 erhielt die Stadtpfarrkirche ihren schönsten Schmuck: Der preußische König schenkte der Gemeinde die Petruskanzel. Der “wohlbestallte Churfürstlich Brandenburgische Ausreuter“ Johann Putlitz hatte sie 1656 der Berliner Marienkirche gestiftet. Dieses sakrale Kunstwerk der Spätrenaissance hat einen reich verzierten Kanzeldeckel mit der Darstellung des ersten Pfingstfestes in Jerusalem. Kanzelkorb und -treppe enthalten in acht bzw. drei Feldern farbige Darstellungen biblischer Geschehnisse. Den Kanzelträger bildet die Figur des Heiligen Petrus mit wallendem Gewand und dem Himmelsschlüssel in der Hand. Nach dem Brand von 1700, einem der verheerenden insgesamt fünf Stadtbrände, wurde die Kirche nun auch mit Ziegeln gedeckt. In den Jahren von 1988 bis 1990 wurde der Kirchturm rekonstruiert, zwischen 1991 und 1994 das Dach, in den zwei folgenden Jahren nach neogotischen Vorlagen die Südempore. 1996 erstand die Wunderblutkapelle in altem Glanz wieder. In ihrer schmucklosen, äußerlich aber doch würdigen Einfachheit ist die Marienkirche das steinerne Sinnbild der Ackerbürgerstadt an der Nieplitz. Kommt man aus nördlicher Richtung in die Stadt, ist rechter Hand der imposante, 40 Meter hohe Wasserturm zu sehen. Er ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Von 1926 bis 1928 nach Entwürfen des Architekten Winter in Klinkerbauweise errichtet, dient er der zentralen Wasserversorgung der Stadt. Die fünf Etagen des Turms beherbergten bis 1944 das Beelitzer Zauche-Museum. Zu besonderen Anlässen können die Beelitzer und Besucher die herrliche Aussicht über die Stadt und die Umgebung genießen. Ein Verein hat sich gebildet, um den Wasserturm denkmalgerecht zu sanieren. Die Außenhülle ist bereits fertiggestellt.