STICHWORTVERZEICHNIS: 0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

Großsteingrab Neuenfeld

Vorschaubild

Großsteingrab zwischen Brüssow und Pasewalk – der Neuenfelder Dolmen Die Uckermark ist außerordentlich reich an ur- und frühgeschichtlichen Hinterlassenschaften. Groß ist die Zahl der oberirdischen Bodendenkmale. Eine besondere, wenn auch kleine Gruppe, bilden dabei die Großsteingräber, die ältesten Architekturdenkmale Mittel- und Nordeuropas, deren Vorkommen sich in Brandenburg nahezu ausschließlich auf diese Region beschränken. Ihre Erbauer waren die Menschen der jungsteinzeitlichen bäuerlichen Trichterbecherkultur, die ihren Namen nach einer typischen Gefäßform, dem Trichterbecher, erhielt. So ein Gefäß fand sich übrigens auch in Neuenfeld. Es gehörte offenbar zur Beigabenausstattung eines Flachgrabes. Viele dieser Megalithbauten haben einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt und werden immer wieder von Interessierten aufgesucht. Andere scheinen dagegen in Vergessenheit geraten zu sein. Zu ihnen zählt auch ein Urdolmen bei Neuenfeld, zwischen Brüssow und Pasewalk, der zu den schönsten seiner Art überhaupt zählt. Der Begriff Dolmen ist dem Bretonischen entlehnt und bedeutet soviel wie Steintisch (toal = Tisch, men – Stein). Und in der Tat präsentiert sich der Megalithbau auch so in der weiterhin offenen Landschaft. Die Grabkammer – sie repräsentiert den frühesten Typ der Megalithgräber – wird von drei liegenden Steinen gebildet, die einen gewaltigen Deckstein tragen. Ursprünglich war sie von einem Hügel umschlossen, von dem sich noch Reste erhalten haben. Aber schon während der Bronzezeit (1800 – 600 v. u. Zeit) scheint frei gelegen zu haben. Das bezeugen auf seiner Oberfläche schälchenartige Vertiefungen, die während dieser zeit bei kultischen Handlungen angebracht wurden und wohl zur Aufnahme von Trankopfern dienten. Die Kammer misst in ihrem Innern gerade einmal 2,2 mal 1,8 m. Zwar fanden hier bisher noch keine Ausgrabungen statt, und auch Gelegenheitsfunde sind nicht bekannt, doch lässt sich, ausgehend von Beispielen anderer Regionen, sagen, dass diese frühen, etwa um die Mitte des 3. Jahrtausends v. u. Zeit erbauten Grabanlagen ursprünglich zur Aufnahme der Überreste nur eines Toten gedacht waren. Man nutzte sie aber meistens über Generationen hinweg als Sippenbegräbnis, und war dann die Kammer gefüllt, räumte man sie oft rigoros aus, um Platz für neue Bestattungen zu schaffen. Nur wenig später ging man deshalb dazu über, größere Grabmonumente zu errichten, die in der Uckermark in Form der erweiterten Dolmen erhalten sind. Der Dolmen von Neuenfeld gehörte zu einer ganzen Gruppe von Großsteingräbern. Alte Karten aus der Zeit um 1880 weisen in seinem Umfeld noch sieben weitere Anlagen aus. Beschreibungen aus dem Jahr 1904 bezeichnen sie als Ruinen, von denen sich bis auf den heutigen Tag lediglich eine in völlig desolatem Zustand erhalten hat. Sie durften Steinschlägern zum Opfer gefallen sein, die in den Anlagen billig auszubeutende Steinbrüche sahen und das gewonnene Material vor allem für den Straßenbau und für neue Bauten der aufkommenden Modernisierung der Landwirtschaft verkauften.