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Weggun

Vorschaubild

Von 1964 – 97 bildeten die Dörfer Parmen, Warbende und Weggun die Gemeinde Parmen-Weggun. Am 01.12.1997 erfolgte die Fusion mit der Gemeinde Arendsee. Bis zur Bildung der Gemeinde Nordwestuckermark am 01.11.2001 tragen die nun dazugehörenden Orte Weggun,

Arendsee, Raakow, Parmen und Warbende den Gemeindenamen Weggun.

 

Weggun fand seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1331. Sachverständige leiten den Namen vom slawischen Wort vygoni oder vom polnischen Wort wygon ab.  Beides bedeutet Trift und dieses Wort ist von „treiben“ abgeleitet.

 

Zu diesem Ortsnamen gibt es zwei Deutungen. Zum einen ist es der Ort, wo man zur Jagd antreibt, zum anderen ist es der Ort der Ausgetriebenen. Letztere Auslegung scheint richtiger zu sein. Denn als die deutschen Aussiedler ins Land kamen, wurden die slawischen Bewohner entweder ausgerottet, zumindest aber wurden sie an besondere Plätze verdrängt.

 

 Als typisches Straßendorf entwickelte sich Weggun zu einem reinen Bauerndorf. Bereits zur Gründungszeit war das Dorf unter dem Besitz des Schlosses bzw. der Herrschaft Boitzenburg, bevor die Nommen des Klosters Boitzenburg über 200 Jahre (1338 – 1539) teilweise bzw. vollständigen Besitz am Dorf erwarben.

 

Durch kurfürstliche Order (Säkularisation 1539) wird der Besitz des Boitzenburger Nonnenklosters am Dorfe Weggun an die von Arnims zu Boitzenburg veräußert. Mitten im Ort steht die 1831/32 neu erbaute Kirche, ein rechteckiger turmloser Putzbau mit schinkelschem Architektureinfluss. Nach umfangreicher Restaurierung im Jahre 1991 stellt sie sich heute in altem und neuem Glanz dar. Der doppelte Glockenstuhl mit einer Glocke befindet sich im Westgiebel. Von den ursprünglichen zwei Glocken wurde eine Glocke zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Die 2. Glocke stand seit 1972 neben der Kirche im Freien. Erst nach notwendigen Sanierungsarbeiten an der über 500 Jahre alten Glocke und dem Glockenstuhl im Jahr 2007 kamen sie wieder an ihren alten Platz.

 

1871 wird vom Stettiner Orgelbauer Grüneberg eine Kegelladenorgel mit vier Manualregisterstimmen und einem Fußmanual eingebaut. Nach der Restaurierung der Orgel im Jahr 2004 hat sie nicht nur alle Pfeifen wieder, sondern wird durch ein elektrisch betriebenes Gebläse mit der nötigen Luft versorgt.

 

Am Rande der Feldberg-Lychener-Seenlandschaft liegen die Orte Arendsee und Raakow. Wald und schöne Seen in unmittelbarer Nähe laden zu ausgiebigen Spaziergängen und Radtouren ein. Ähnlich vieler anderer Ortschaften der Gemeinde Nordwestuckermark findet das Dorf Ende des 13. Jahrhunderts, nämlich 1289 mit der Bezeichnung „Dominus Johannes de Arnesse, seine erste urkundliche Erwähnung. Der Ortsname deutet auf die am Wasser, dem heutigen Haussee, befindliche Lage. Vor 1305 befand sich hier der Wohnhof des Henning von Bentz. 1491 ist der Ort bereits verfallen.

 

Heute künden nur noch die Ruinen der Feldsteinkirche von einer Besiedlung in früheren Zeiten.. Trotzig stellen sich Westgiebel und Ostwand auf dem heutigen Friedhof Wind und Wetter, aber auch jahrhundertealtem Baumwuchs entgegen.

 

Über den Zeitraum von 200 Jahren taucht die wüste Feldmark Arendsee nur als Jagd- und Weidwerk des Hauses Boitzenburg auf. Vom Rittergut Schönermark aus wird 1726 in Arendsee ein Vorwerk angelegt. Seine Prägung erhielt der Ort später durch die Familie von Schlippenbach, die seit 1688 Besitzrechte in Arendsee hatte. Die Gutsanlage hat auch heute noch einen dorfbildprägenden Charakter. Nach den Plänen des Architekten Stüler entstand von 1839 – 43 das Schloss, das sich malerisch in einem parkähnlichen Gelände gelegen, unmittelbar an den Sie anschmiegt.

 

Die Anlage des Parks und nachweislich mehrfachen Besuche Lennés im Schloss lassen darauf schließen, dass der bedeutende Gartenplaner wertvolle Anregungen für die Gestaltung gegeben hat. Heute stehen Schloss und auch der Park, in dem reizvolle Pfade zu Spaziergängen einladen, unter Denkmalschutz. Über 50 Jahre wurden in dem Gebäude Schüler unterrichtet, erst 2001 wurde der Schulbetrieb eingestellt.

 

Raakow wird  bereits 1375 im Landbuch Kaiser Karl des Großen erwähnt. Nach mehr als 300jährigem Brachliegen taucht zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Schäferei, wenig später als Vorwerk, wieder auf. Nach erfolgter Ansiedlung nahm es bis 1928 eine eigenständige Entwicklung und wurde dann mit dem Gutsbezirk Arendsee zur Gemeinde Arendsee vereinigt.

 

Die Unschuldslinde bei Arendsee

Zwischen dem Steinsee und dem Dorf Arendsee steht noch heute eine alte Linde, deren Kronenbildung so außergewöhnlich ist, dass sie auffallen muss. Einmal fand man im Wald bei Arendsee einen Schäferknecht, der durch Mörderhand gefallen war. In Verdacht kam ein Junker vom Schloss Arendsee. Er sollte seinen Knecht aus Eifersucht getötet haben. Der Junker beteuerte seine Unschuld, aber alle Anzeichen sprachen gegen ihn. So wurde er schließlich zum Tode verurteilt und sollte durch Henkershand sterben. Weil der Junker seine Unschuld abermals beteuerte, hob der Fürst das Todesurteil auf. Ein Gottesurteil sollte entscheiden. Der Beschuldigte musste eine junge Linde aus dem Boden nehmen und umgekehrt, mit den Wurzeln nach oben, an der Stelle einpflanzen, wo man den Ermordeten gefunden hatte. Würde die Linde wachsen, so sei der Junker unschuldig.

 

Es geschah – die Linde wurde verkehrt herum eingepflanzt und wuchs, obwohl niemand sie begießen und pflegen durfte. Aus den Zweigen wurden Wurzeln, und aus den Wurzeln bildeten sich Zweige mit Knospen und Blättern. Zwar gedieh sie zuerst nur kümmerlich, aber sie war gewachsen und steht noch heute. Der Sage nach als Beweis für des Junkers Unschuld.

An den sonderbaren Ästen und Zacken aber kann man erkennen, dass es früher wirklich Wurzeln waren.

 

Die Herkunft des Namens Parmen lässt sich aus verschiedenen slawischen Sprachen deuten. Im Altslawischen heißt pramu – Schiff, Fähre. Man kann auch vom Altslawischen Pramen ableiten, das Faden, Quelle, Strahl, Sprudel heißen kann. Die Lage an dem großen Tal, in dem der Parmensee liegt und durch das dann weiter der Quillow fließt, findet für beide Bedeutungen einen Sinn. Urkundlich wurde Parmen erstmals 1375 erwähnt. Zu dieser Zeit hatte sich hier schon ein Ritter festgesetzt. Nach 1375 soll Parmen bald ganz „wüst“ gewesen sein und wurde erst Anfang des 16. Jahrhunderts wieder neu aufgebaut. 1736 ließ Karl Christoph von Fronhoefer eine Glocke gießen, die sich noch heute in der Parmener Kirche befindet. Parmen entwickelte sich zu einem reichen Gutsdorf.. Der zwischen Parmen und Arendsee gelegene Wald wurde 1856 abgeholzt und später in der Größe von 200 Morgen wieder mit Kiefern aufgeforstet. Für die Aufsiedlung des Ortes 1930 musste der Wald jedoch erneut weichen. Wie die bis nachweislich 1758 zu Parmen gehörenden Seen (Kleiner und Großer Parmen-See) an die Gemarkung Fürstenwerder fallen konnten, ist nicht nachweisbar. Hat der Reichsgraf von Schwerin, begünstigt durch die häufigen Wechsel des Parmer Gutes, seine Herrschaft zielstrebig ständig weiter ausgedehnt oder hat es sich so zugetragen, wie folgende Sage es beschreibt.

 

Vor vielen Jahren, als der Große Parmen-See noch zu Parmen gehörte, haben sich einmal Graf von Arnim, der Besitzer von Parmen war, und der Graf Schwerin, der der Grundherr von Fürstenwerder war, am Parmener See getroffen. Der Graf Schwerin wollte gern den See besitzen. Es gelang ihm, den Grafen Arnim zu einer Wette zu überreden. Wer an einem bestimmten Tage der erste am See ist und die heißeste Tasse Kaffee mitbringt, der sollte den See haben. Der Graf von Arnim ging darauf ein. Er glaubte seiner Sache sicher zu sein, denn er wohnte ja näher am See als der andere. Als es nun an jenem Morgen gerade hell wurde, kam Graf von Arnim mit einer Tasse Kaffee an. Graf Schwerin war aber schon da. Er hatte sich über Nacht im Rohr des Sees eingenistet, am Morgen ein Feuer daselbst gemacht und den Kaffee an Ort und Stelle gekocht. Als nun Graf von Arnim herankam, trat der andere Graf mit seiner dampfenden Tasse Kaffee aus dem Rohr. Natürlich war sein Kaffee heißer als der seines Gegners. Uns so bekam Graf Schwerin den See. Darum wird auch heute noch oft gesagt: „Graf Schwerin hat den Parmener See für eine Tasse Kaffee gewonnen.“

 

Nur 3 km nordwestlich von Parmen liegt Warbende, dessen Gründung im Zuge der deutschen Ostkolonisaton im 12./13. Jahrhundert erfolgte. Aber schon 1375 hieß es, dass hier sämtliche 18 Hufe „wüst“ lagen. Mehrfache Versuche einer Ansiedlung scheiterten. 1834 kaufte August Alexander Springfeld kaufte Warbende. Er ließ einen Park im Lennéstil anlegen, der aus kulturhistorischer Sicht sehr bemerkenswert ist. Es ist das Nebeneinander von barocker Gartenkunst und englischer Parklandschaft, das diesen Park prägt. Seine Besonderheiten sind unter Naturschutz stehende Bäume wie die Gurkenmagnolie, Taxussäulen, eine Blutbuche, Trauereschen und ein Tulpenbaum. Aber auch eine schlitzblättrige Buche ist hier zu finden. Ein Teil ihrer Äste weist geschlitzte, ein anderer Teil gewöhnliche Buchenblätter auf. Im Inneren der Krone hat man Zweige mit beiden Blattarten entdeckt. 1870 übernahm Familie Zanikow das Gut. Es wurde erforderlich, das abfällige Gelände des Parkes zum Gutshof hin durch eine starke Mauer zu begrenzen, die z. T. heute noch sichtbar ist. Obenauf ließ er abgebrochene Türmchen mit ihren Schießscharten setzen, was die Vermutung aufkommen ließ, es sei ein Romantiker mit Rückblick auf das mittelalterliche Rittertum.

 

Erholungssuchenden wird eine Radtour auf dem Radweg „Spur der Steine“ oder durch eine uralte Lindenallee (gepflanzt 1796), auch „Heeres- oder Handelsstraße“ genannt, empfohlen.

Der Radweg ist zu großen Teilen auf der 1913 erbauten und bereits 1945 wieder abgerissenen Eisenbahnlinie Templin – Fürstenwerder errichtet worden. Er führt von Krewitz kommend über Weggun und Parmen nach Fürstenwerder. Von der Bahnlinie sind nur noch die Bahnhöfe in Weggun und Parmen, jedoch in anderer Nutzung, vorhanden. Die Lindenallee verläuft von Weggun nach Boitzenburg und soll ursprünglich bis Berlin geführt haben. Zu erwähnen ist auch der Petznicksee, der inmitten des Waldes (Zerweliner Forst) liegt und kristallklares Wasser führt.

 

Zu einem interessanten Erlebnis der ganz anderen Art kann eine Wildkräuterwanderung und Verkostung mit Andrea Tietz werden. Seit 1999 vermittelt sie so den Besuchern das Besondere ihrer Heimat, jede Menge Kräutergenuss und ein bisschen Information, für jeden leicht verdaulich und unterhaltsam. In der „Uckermärkischen Wildpflanzenküche“ werden Kräuter auch zu Tees, Gelees, Sirups, Wein u. a. verarbeitet und in ihrem Hofladen in Parmen und auf Märkten zum Verkauf angeboten. Neben dem Hofladen befindet sich ein kleines Café, in dem die Gäste bei selbstgebackenem Kuchen und duftendem Kaffee oder aber bei einem Kräuterdrink fachsimpeln und in der Kräuterbibliothek nachschlagen können.

 

Für Anhänger des Motorsports ist Parmen schon lange eine bekannte Adresse. Jährlich zieht der 1974 gegründete MSC Parmen mit zwei Motocrossveranstaltungen viele hundert Besucher an. Die Rennstrecke liegt zwischen Parmen und dem Waldstück „Am Kiecker“ landschaftlich so schön, dass sie schon ohne Rennen eine Augenweide ist.

 

Das wirtschaftliche Leben wird geprägt durch unsere landwirtschaftlichen Betriebe, ökologischen Beerenanbau, viele kleine Handwerksbetriebe und den für den ländlichen Bereich nicht typischen Metallbaubetrieb MMC Retzlaff GmbH  & Co.KG. In den letzten Jahren hat sich vor allem in Parmen das Kunsthandwerk niedergelassen.

 

Vieles haben Sie jetzt über unsere Dörfer erfahren. Sind Sie neugierig geworden? Dann laden wir Sie ein. Besuchen Sie uns! Zum Beispiel zum Parkfest in Warbende, zu Dorf- und Seefesten, offene Kirchen in Weggun und Parmen, zu Konzerten in der Wegguner Kirche, zum Tag des offenen Ateliers und zahlreichen Sportveranstaltungen.