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Dolgelin

Foto: K. Richter

Fläche: 1439,47 ha

Einwohner: 460 (Stand 31.12.2015)

 

Verkehrsanbindung:

Dolgelin wird von der Bundesstraße B 167 (Berlin - Lebus - Frankfurt/O.) durchquert. Über Lietzen, Falkenhagen, Petershagen ist die Gemeinde an die B 5 angebunden.

 

 

Dolgelin gehört zu den ältesten Höhendörfern am Rande des Oderbruches. Der Name des Ortes deutet auf einen slawischen Ursprung hin. Dolhi bzw. dolgo und len können mit lang und Flachs gedeutet werden. Slawische Bodenfunde am nordwestlichen Dorfrand belegen die Anwesenheit der Slawen in diesem Gebiet.

 

Dolgelin ist der Anlage nach ein Angerdorf, einer Siedlungsform, wie sie typisch ist für Ortsgründungen im 12./13. Jh. östlich der Elbe. Der zunehmende Verkehr bewirkte eine Anpassung der Dörfer an die Verkehrswege der damaligen Zeit. Die Dorfstraße teilt sich von West kommend u. schließt einen langgestreckten Platz, den Dorfanger, ein. Der Anger war ursprünglich Mittelpunkt des dörfischen Lebens. Neben einem grasbewachsenen Platz beherbergte der Anger die Kirche, die Schule, das Gemeindehaus und die Schmiede. Hier tagte das Dorfgericht, standen Ackergeräte, weidete das Vieh oder fand Tanz und Vergnügen statt.

 

Die aus Feldsteinen errichtete Kirche ist das älteste Zeugnis aus der Gründungszeit des Dorfes. Das Mauerwerk, die geschlossenen Spitzbogenfenster u. die einzigartigen Putzritzzeichnungen lassen die Ursprünglichkeit des Bauwerkes deutlich werden. Die Erbauer der Kirche verfügten bereits über ein hohes handwerkliches Können, das in den sorgfältig behauenen Feldsteinen deutlich wird. Die Kirche ist von der selben Art, wie andere märkische Kirchen aus der Zeit der ostelbischen Besiedlungsgeschichte des 13. Jh., die aus einem Schiff mit angeschlossenem kleineren Chor bestehen. Die Putzritzzeichnungen am Westgiebel der Kirche sind die ältesten erhaltenen bildlichen Darstellungen aus der Gründungszeit des Dorfes. Die Erbauer haben möglicherweise ihre geistlichen Herren in diesen Darstellungen verewigt. Die eine Halbfigur stellt einen Bischof dar, der als der heilige Adalbert, der Schutzpatron des Bistums Lebus gedeutet wird. Die rechte gekrönte Gestalt in fürstlicher Tracht stellt einen unbekannten Heiligen mit Buch und Palmwedel dar, vielleicht den heiligen Veit, dessen Kult die Siedler mitbrachten. Es ist auch möglich, dass es sich um Ecclesia, die Personifizierung des neuen Testaments als Siegerin über das alte Testament, handelt.

 

Die deutsche Besiedlung unserer Heimat begann im 12. Jh. und war im wesentlichen im 14. Jh. abgeschlossen. Die geistlichen und weltlichen Landesherren förderten die Besiedlung durch Landschenkungen, Steuererlass für einige Jahre oder anderweitig rechtliche Besserstellung. Die Gründung Dolgelins wird häufig in Verbindung mit dem Ritterorden der Templer gebracht, der seinen Sitz in der Komturei Lietzen hatte. Im Auftrag der Landesherren übten die Templer die Lehnträgerschaft in diesem Raum aus, die u.a. Dorfgründungen, Christianisierung, Verwaltung sowie militärischen Schutz beinhaltete.

 

Ob Dolgelin bereits im 13.Jh. zur Komturei gehörte, ist in der Literatur über den Kreis Lebus und die Mark umstritten. In der Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Die verschiedenen Seiten sind sich darin nicht recht sicher. Die Gründung des Dorfes ist in die Mitte des 13.Jh. einzuordnen. Die Landesherren holten Siedler aus niederdeutschen Gebieten und dem Harzland in dieses Gebiet. Mit der Anwerbung von Siedlern erweiterten sie ihren grundherrlichen Macht- u. Einflussbereich, werteten ihren Grundbesitz auf u. sicherten sich ihre künftigen Einnahmen an Steuern, Abgaben u. Diensten. Die nachweisliche Geschichte Dolgelins beginnt jedenfalls mit der ersten urkundlichen Erwähnung unter dem Johanniter-Orden, der die Nachfolge des durch päpstliche Verordnung aufgelösten Templerordens im Jahre 1318 antrat.

 

Am 25. September 1321 verkauften die Ordensritter von Lietzen eine zwischen Lietzen u. Falkenhagen gelegene Mühle an zwei Falkenhagener Brüder für 90 Mark Brandenburgischen Silbers, das für den Kauf oder den Rückkauf des Dorfes Dolgelin verwendet wurde. In der Urkunde ist der Name " Nicolaus de Dolgelin " festgehalten worden, vermutlich der Dorfschulze aus jener Zeit.

 

1860 erfolgte ein Umbau des Kirchengebäudes. 1867 stürzte eine Ecke des alten mit Feldsteinen errichteten Kirchturmes ein und beschädigte das Kirchenschiff. 1869 stürzte der Turm nach fast beendeten Wideraufbau erneut ein. Um 1870 errichtete man einen massiven aus Ziegelsteinen gebauten Kirchenturm. Dieser fiel 1945 dem Beschuss in der Schlacht um die Seelower Höhen zum Opfer. Bis 1946 fanden in der durch den 2. Weltkrieg schwer beschädigten Kirche Gottesdienste statt. Später gab man die Anweisung Dachsteine und das Gebälk der Kirche für die Errichtung von Wohnbauten und des Schulgebäudes zu verwenden. Am 25. März 1965 wurde um 15.00 Uhr der über 45 m hohe Turm gesprengt.

 

Auf dem Ostgiebel der Kirchenruine lässt sich jährlich ein Storchenpaar nieder. Die im Frühjahr 1993 erfolgte Mauerwerksanierung des Ostgiebels und der Längswände beunruhigten das Storchenpaar nicht und führten zu keiner Beeinträchtigung des Brutgeschäftes. Seit dem Herbst 2002 gibt es den Förderverein „Dorfkirche Dolgelin", der sich um Erhaltung und Wiedernutzbarmachung des denkmalgeschützten Gebäudes bemüht. Am Höhenrand zum Oderbruch beginnt das Landschaftsschutzgebiet "buntblumige Wiesensteppe", dass jährlich viele Natur- und Wanderfreunde aus nah und fern anzieht. Ein besonderes Glanzlicht in der Pflanzenwelt stellen jedoch die Adonisröschen dar, die in der Gemarkung Dolgelin an der Straße nach Sachsendorf ihre nördlichste Verbreitungsgrenze erreichen. Die Dolgeliner bekamen Ende 1997 ein neues Gemeindehaus das für viele öffentliche aber auch private Veranstaltungen genutzt wird.

 

(Textquellen: Materialien von Herr Karlheinz Gruhl und Herrn Klaus-Peter Schimmel)