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Zootzen

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Einwohner: (Stand 31.12.2016)
140

Weitere Informationen zur Einwohnerentwicklung hier
Fläche:
13,33 km²

Ortsvorsteherin:

Irmgard Ritzmann

 

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Östlich des Autobahnkreuzes Wittstock liegt das kleine Dorf Zootzen. Viele Jahrhunderte gehörte es zum Bereich der Domanialverwaltung Burg Goldbeck. Andererseits betreuten die Pfarrer der Nachbargemeinde Gadow das Filialdorf Zootzen nachweislich von 1648 bis 1953. Heute gehören die 181 Einwohner zum Kreis Ostprignitz-Ruppin. Die möglichen Übersetzungen des Ortsnamen deuten zweifellos auf die Westslawenzeiten vor tausend Jahren hin.

Kirche in Zootzen

Die seinerzeitige Ortsbeschreibung sucene = Ort im Luch entspricht deutlich der geografischen Lage. Ebenfalls kann aber eine zweite Deutung für die Dorflage angenommen werden: Das slawische Wort sosna = Kiefer hat auch noch in der Gegenwart durch die zahlreichen Wälder in der Umgebung von Zootzen eine hinweisende Aussagekraft. Ab 1260 gibt es urkundliche Hinweise für die Nachfolgebesiedlungen der DorfsteIlen in dieser Gegend durch deutsche Bauern von jenseits der Eibe.

Verbindliche Gründungsdaten aus dem terra slavia liegen nicht vor. Trotz der zahlreichen Fehden in diesem Grenzgebiet zwischen Mecklenburg und Brandenburg blieb die "Insel im Luch" mit ihren 12 Hüfnern plus einem Kossäten immer bestehen. Viele Dorfverödungen hinterließen besonders der Dreißigjährige Krieg in der nächsten Umgebung. Ein Besuch des Museums des Dreißigjährigen Krieges in Wittstock /Dosse wäre deswegen empfehlenswert. Seit 1713 bildete eine Fachwerkkirche, später eine im Jahre 1893 neu erbaute Backsteinkirche, den Mittelpunkt des Runddorfes. Rührige Einwohner lassen das Gotteshaus auch zur Jahrtausendwende nicht verfallen. Einen entscheidenden Höhepunkt in ihrer Entwicklung erlebte die Gemeinde nach dem Rezeß über die Verwandlung und Ablösung der Domanialabgaben durch die Land- und Kapitelabfindungen im Jahre 1844.

Laut vorliegenden Originalurkunden konnten nun die 19 Hofwirte und 23 Büdner frei über ihr Eigentum verfügen. In Zootzen entwickelte sich danach bis zum zweiten Weltkrieg eine beachtliche Wirtschaftsinitiative. Neben der Landwirtschaft zeigten jetzt ihr Können: 1 Windmühlenbetreiber ( bis 1904 ), 1 Köhler (bis 1910), 1 Schmied in mehreren Generationen bis 1956, 1 kleines Sägewerk (Aßmus), 2 Gastwirte (Bünger u. Engelhardt ), 4 Viehhändler für Pferde und Rinder, 2 Tischler (Schmidt u. Motzkus), 1 Sattler, 1 Schneider, 1 Schuster, 2 Maurer, 2 Hausschlächter, 1 Brunnenbauer, 1 kleine Ziegelei, 1 Eier- und Butteraufkäufer und 2 Kolonialwarenhändler. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges begann die alte Ordnung auseinanderzufallen. Flüchtlinge aus Pommern, aus dem Sudetenland und Schlesien folgten den abreisenden Schülern aus Hamburg. Die siegreiche Rote Armee schuf im Ort mit Gewalt neue gesellschaftliche Maßstäbe. Nach 1945 sollte die Last des am östlichen Rand der Gemeindefeldmark errichteten Truppenübungsplatzes mehr als 50 Jahre andauern.

Dennoch verließen im Verlaufe dieser schweren Zeit nur vier Familien die Gemeinde in Richtung Westdeutschland. Nach der Wendezeit kamen sie erstaunlich bald in die Landschaft mit den kargen Bodenwertzahlen und den weiten Kiefernwäldern zurück. Relativ still ist es im Dorf geworden. Die Felder werden nur noch von einer Agrargenossenschaft und einem Einzelbauern bewirtschaftet. Die etwa 30 Schulkinder gehen seit 1956 nicht mehr in ihre Dorfschule, sondern werden mit dem Schulbus abgeholt.

Der Dorfkrug wie auch der letzte Konsum bleiben geschlossen. Was aber treibt die Menschen besonders hierher, ein Häuschen außerhalb der Stadt zu bauen? (19 neue Häuser nach 1989 erbaut)

Doch sicherlich nicht nur der verlockende Spaziergang ins "Tal der Liebe" (Brausebach) entlang den kleinen Stauseen in Richtung Neuendorf. Der Tourist wird auch freundliche und hilfsbereite Menschen ansprechen, die noch den alten Geist der ausgeglichenen Bauern von früher erahnen lassen und ländliche Traditionen fortführen.

im Jahre 2002: G. Zimpel

Rosenecker Weg 2
16909 Wittstock OT Zootzen

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Telefon (03394) 441050

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